BÄR - aus dem "Land des Lächelns"

mit freundlicher Genehmigung von Melanie Metz

 

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Wie wir auf den Hund kamen – oder die Geschichte von „Thai-Bär“

Bereits 1997 verbrachten mein Mann und ich unseren Urlaub in Thailand – eine Rundreise von Bangkok über Chiang Mai, Koh Samui, Phuket zurück nach Bangkok. Bereits in Chiang Mai bekamen wir damals Zuwachs: Unsere Katze Shira, die uns in Surrathani noch mit 6 Kitten überraschte.

 

1999 beschlossen wir, wieder einmal unseren Urlaub in Thailand zu verbringen  und entschieden uns für die Insel Koh Samui.

Bereits am 3 Tag auf Samui liefen wir dem „Bären“ über den Weg: So nannten wir den kleinen beige-farbenen Welpen (er war zwischen 12 und 14 Wochen alt), den wir immer mal wieder zu Gesicht bekamen – das erste mal auf der Hauptsraße von Chaweng, wo er versuchte die Verkäuferin eines Jeans-Ladens davon zu überzeugen, dass ein Laden mit Hund doch viel schöner sei ...

… und nebenbei bemerkt für einen Hund viel kühler, da klimatisiert ... und er schaffte es auch die Verkäuferin zu überzeugen, dass die Hühnerknochen für ihn viel besser seien, als für die Mülltonne...

 

Nachdem wir ihn während des gesamten Urlaubs immer wieder sahen und er uns nicht mehr aus dem Kopf ging, versuchten wir mit dem (von dem Welpen selbsterwählten) Frauchen im Jeansladen ins Gespräch zu kommen... nicht ganz leicht, da Thai sehr schlecht die englische Sprache verstehen und sprechen (beim Lesen und Schreiben von Englisch gibt es übrigens keinerlei Probleme).

Wir verständigten uns mit Händen und Füßen und erfuhren, dass sie den Hund hatte impfen und entwurmen lassen und auch jeden Tag baden würde, weil er schließlich immer in ihren Laden kam und ansonsten doch Ungeziefer und Dreck einschleppen würde und fragte auf direktem Weg, ob wir den Hund nicht haben wollen.

Da standen mein Mann und ich und schauten uns gegenseitig verblüfft an, da ein Hund das letzte war an das wir in unserem Urlaub gedacht hatten... Sie meinte, dass es der Hund doch besser bei uns haben würde als in Thailand, wo es doch so viele gibt und die auch immer wieder vergiftet werden würden.

   

Wir wussten gar nicht was wir sagen sollten und verabschiedeten uns mit der Ausrede, dass wir darüber nachdenken müssten.

Mittlerweile standen wir auch schon kurz vor unserer Abreise nach Deutschland und hatten noch 4 Tage uns das zu überlegen. Am selben Tag besuchten wir auch noch Brigitte, eine Deutsche, die vor Ort das Dog Rescue Center Samui leitet – eine Tierklinik für die ca. 5600 streunenden Hunde vor Ort (die Insel hat übrigens einen Durchmesser von ca. 50 qkm). Wir unterhielten uns lange mit ihr über das Projekt vor Ort und kamen schließlich auf den kleinen Bären zu sprechen: Brigitte erklärte uns, dass die Zukunftsaussichten von Welpen auf der Insel nicht die besten wären, da die Reviere zwischen den Althunden bereits aufgeteilt wären und die Junghunde verjagt würden, da sie nur Nahrungskonkurrenten wären. Und eine Nische zu finden, in der die Welpen überleben könnten wäre nicht leicht.

   

Der damals im DRCS tätige Tierarzt, Dr. Somsak kannte den Welpen durch die Impfung die er durchgeführt hatte und erzählte uns, dass der Kleine wohl bereits mit 6 Wochen von seiner Mutter und den restlichen Geschwistern getrennt worden sei und seitdem sich selbst durchbringen musste (was ihm mit seiner Jeansladen-Strategie auch prächtig gelungen war).

Nach langem Reden und Erzählen fuhren mein Mann und ich wieder in unser Hotel.... es folgte Schweigen. Am Abend gingen wir zum Essen und überlegten hin und her... wir kamen zu keinem eindeutigen Ergebnis: Was sollten wir tun, wenn er sich nicht mit unseren bereits vorhandenen 8 Katzen verstehen würde? Was, wenn ich meinen Arbeitsplatz wechseln würde und ihn dann nicht mehr mitnehmen könnte? Wie würden wir in Zukunft MIT Hund leben? Was wäre, wenn er krank wäre (siehe die verschiedenen Krankheiten, von denen Hunde im Ausland häufig befallen werden)? Alles Fragen die wir nicht spontan beantworten konnten.

   

Am nächsten Morgen hatten wir alles geklärt: Sollten die Katzen meutern, würde der Hund bei meiner Omi unterkommen (sie ließ sich am Telefon breitschlagen im absoluten Notfall wieder einen Hund aufzunehmen), die Arbeitsplatzfrage müsse man dann lösen, wenn sie eintreten würde, den Tagesablauf muss man anders gestalten und wenn der Hund eine der gefürchteten Krankheiten haben sollte, dann müsste er eben behandelt werden. PUNKT: Es stand fest, Bärchen kommt mit uns nach Hause.

Noch drei Tage bis zum Abflug: Wir gingen zuerst zu dem Mädchen im Jeansladen und sagten wir, dass wir den Hund nehmen würden (selbstverständlich wollten wir auch die Unkosten der jungen Dame übernehmen), aber den Impfpass sehen müssten...  Sie zeigte uns den Impfpass und war sichtlich froh, dass wir den Hund haben wollten – sie hatte ihn auch schon anderen Touristen angeboten.

   

Wir verabredeten mit ihr, dass der Bär bei ihr bleiben sollte und wir ihn einen Tag vor Abflug zum Tierarzt bringen würden, damit er ihn nochmals untersuchte und ihn dann zurückbringen und erst am Abflugtag abholen würden. Gesagt getan.

Nun kümmerten wir uns um ein geeigentes Transportbehältnis: Wir nahmen letztlich einen Picknickkorb aus Plastik mit Löchern rundherum, da es keinen anderen Transportbehälter gab. Anschließend buchten wir den Welpen bei der Lufthansa ein, mit 3,5 kg durfte er mit an Board.  Die Untersuchung beim Tierarzt blieb ergebnislos, der Hund war in Ordnung –ein leichtes Sedativum und am Abflugtag ging´s dann los: Im Gepäck als Urlaubsandenken ein Hund ohne Namen....

Von Koh Samui nach Bangkok, umsteigen und von Bangkok nach Frankfurt am Main.... insgesamt waren wir über 15 Stunden im Flugzeug unterwegs (mit Zwischenlandung) und der Kleine war ein absolutes Goldstück – nur wollte er nicht pieseln... Auch auf den 5 Stunden Bahnfahrt nach Hause: Keine einzige Pfütze...

   

Wir machten uns Sorgen und fuhren nach unserer Ankunft sofort zur Tierklinik: Vor die Tür machte das Bärchen einen riesen See! Aber nachdem wir schon mal da waren, haben wir den Kleinen auch hier noch mal checken lassen: Inklusive Blutentnahme um Leishmaniose und Dirofilariose auszuschließen. Soweit OK laut Tierarzt.

Mit den Katzen ging es gut, hinterher jagen wurde unterbunden und nach kurzer Zeit waren die „anderen 4Beiner“ akzeptierte Freunde! .

Die Tests auf Leishmaniose und Herzwurm haben wir noch zweimal wiederholt im Abstand von jeweils 3 Monaten und konnten uns dann sicher sein, dass BÄR wie er mittlerweile heißt, gesund ist. Der Name, den wir ihm anfangs verpassten stellte sich aufgrund seiner grummeligen Tonlagen als passend heraus.

   

Alles in allem wollten wir bereits nach kürzester Zeit diesen Hund nicht mehr missen. Für uns ist er Goldstück, wenngleich man nicht vergessen darf, dass er einen ausgeprägten Jagdtrieb besitzt, in einigen Dingen seeehr asiatisch (was heißt mit einer stoischen Ruhe ausgestattet) ist, und auch nicht der gängigen Vorstellung eines Hundes entspricht, der leichtführig und lernbegierig ist. In vielen Dingen ist er sicher mehr „Hund“ als seine europäischen Kumpels – stammt er doch von Hunden ab, die im wesentlichen sich selbst überlassen sind und weder mit dem Menschen leben, sondern bestenfalls neben diesem her; was nicht anderes heißt, als dass die Hunde von des Menschen Abfällen profitieren und ansonsten ihr Leben völlig selbständig gestalten ohne gefüttert zu werden, medizinische Versorgung erhalten (was sich allerdings seit Bestehen des Dog Rescue Center Samui wesentlich verbessert hat, informieren Sie sich bitte auch auf der Homepage des Projekts über deren Arbeit!) oder anderweitig  in ihrer Entwicklung „beeinflusst“ zu werden, aber auch das macht den „Beigen“ so einzigartig und besonders J.

Bärs Markenzeichen ist seine Art zu Heulen, was er bereits im Welpenalter großartig beherrschte und noch so manchem seiner Hunde-Kumpels beibrachte – zum Leidwesen deren Besitzer…

   

Bär lebt nun (im Juli 2004) seit 4,5 Jahren bei und und wir haben heute schon Angst, dass uns dieser Hund eines Tages für immer verlassen wird, denn es wird nie wieder einen geben wie ihn:

 Unseren Thai-BÄRen…

 

 
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