| |
|
Zwei Tage später
kamen die Menschen aber wieder und streichelten mich erneut und
gingen wieder… Aber dann kam die alte Frau mit einer Plastikkiste
und setzte mich da hinein… ich maunzte aber ganz empört, denn ich
wollte dort nicht weg, ich kannte doch nichts anderes und wie sollte
ich denn meine Kinder aufziehen, wenn ich nicht wusste wo! Aber
alles jammern half nichts, diese Farangs (so nennen wir „Ausländer“
in Thailand) entführten mich einfach… |
| |
|
|
Sie nahmen mich
mit, gaben mir einen Namen – ich hieß ab diesem Zeitpunkt Shira -
und waren lieb zu mir: Ich bekam jetzt jeden Tag von diesem
Katzenfutter und das ganze OHNE REIS! Ich fühlte mich wohl, obwohl
ich nie in einem Haus gelebt hatte. Und weil ich mich so wohl
fühlte, beschloss ich noch auf der Reise, die ich mit MEINEN neuen
Menschen durch Thailand machte, meine Babys zu bekommen – 6 Stück an
der Zahl. Ich hatte mir einfach den Kleiderschrank ausgesucht, da
war es trocken, warm und es gab viele weiche Unterlagen… |
 |
| |
|
| |
|
Meine Menschen
waren sehr erstaunt darüber, ich glaube die dachten ich wäre einfach
nur übergewichtig und haben dann ganz hektisch angefangen in so ein
komisches Gerät zu sprechen, das Telefon hieß – was sie da genau
beredeten weiß ich nicht, denn ich verstand zu dem Zeitpunkt noch
kein Wort von dem was sie in der fremden Sprache über mich sagten
und die konnten wirklich kein Wort Thai…
Irgendwann wurde
ich wieder in meinen Plastikkorb verfrachtet und meine Babys auch
und es ging wieder auf die Reise, aber dieses mal musste ich viel
länger in dem Behälter bleiben und durfte nur einmal in der Nacht
raus und in einem „Flugzeug“ herumlaufen, wie die Menschen das
nannten und da mich meine neue Menschin ganz lieb gebeten hat, habe
ich auch schnell meine Geschäfte auf der Flugzeigtoilette in einem
für mich eigens präparierten Behältnis mit Sand drin erledigt. |
| |
|
 |
Irgendwann kamen
wir dann mal an und ich durfte wieder aus meinem Behältnis: OH
SCHRECK, wie EKELIG, da waren noch 4 Samtpfoten in der Wohnung.
NEIN, ich wollte meine Menschen nicht teilen und hab den anderen
gleich mal Prügel angedroht um meine alleinige Herrschaft zu
verkünden… und die dummen deutschen Katzen sind drauf reingefallen,
dabei war ich höchstens halb so schwer wie die alle…
Dann kam einmal
ein Mann zu uns ins Haus, der mein Ohr anguckte – das Ohr hatte ich
inzwischen ganz vergessen, denn ich hatte mit meinen Babys zu tun
und diese Entzündung hatte ich schon so lange, dass der Schmerz mir
schon zum Freund geworden war. Aber ab diesem Tag bekam ich nasses,
kühles Zeug ins Ohr und irgendwann waren da gar keine Schmerzen
mehr. |
| |
|
|
Zwei meiner Babys
haben leider nicht zunehmen wollen und die Menschin hat sie mit
einer Flasche gefüttert, aber sie wuchsen trotzdem nicht und eines
Tages hatte ich mich entschlossen, dass ich sie nicht weiter leben
lassen durfte, denn wenn es mir früher passiert ist, dass ein Baby
starb, dann rochen das die Hunde und kamen – und dann lebte keines
meiner Kinder mehr. Also habe ich das getan, was eine gute
Katzenmama tut, ich habe Flo und Krümel getötet, damit Kimba,
Kuschel, Schoko und Schröder überleben konnten. Als meine Menschen
das bemerkten waren sie traurig und ich glaube auch sehr enttäuscht
von mir, aber sie wussten ja nicht, warum ich so handeln musste.
Sie haben mich
aber trotzdem nicht wieder in die Schmetterlingsfarm zurückgebracht!
Und so wuchsen meine anderen Kinder weiter dort auf und auch die
anderen 4 Samtpfoten wurden meine „Freunde“, auch wenn ich die
unangefochtene Chef-Samtpfote war. |
| |
|
Schröder hat die
Menschin dann irgendwann einmal mitgenommen, sie hat mir erklärt,
dass er bei einer Freundin einziehen würde, zu einer anderen
Samtpfote und zu einem Hund – ich war erschrocken, denn Hunde waren
immer unsere Feinde… aber ich bekam ein Foto von Schröder, auf dem
er mit diesem „Hunde“ und der anderen Pfote zu sehen war und dann
war das auch ok für mich. Es gab auch andere Menschen die eines von
meinen Babys haben wollten, aber keiner war meinen Menschen gut
genug und so blieben wir zusammen, die ganze Familie - bis zum
Schluss… |
 |
| |
|
|
Ich lebte also
glücklich und zufrieden, bis es mir irgendwann einmal sehr schlecht
ging… ich wurde wieder zu diesem Mann gebracht, der mir mein Ohr
heile gemacht hatte, aber der wusste wohl nicht was es ist, denn es
wurde dieses mal nicht besser. Ich wurde zu einem zweiten Mann
gebracht und auch der half mir nicht. Ich hatte schon damit
gerechnet, dass ich heimgehen würde zu meiner Mama… ich suchte mir
einen dunklen Platz und war bereit meine Kinder und meine geliebten
Menschen zurückzulassen.
Aber so leicht
gaben die Menschen nicht auf, ich wurde in eine Kiste gepackt, auf
eine Wärmflasche gesetzt und wir fuhren lange im Auto. Dann wurde
ich wieder von so einem Mann untersucht und der packte mich unter
den Arm und sagte „Diese Katze ist offensichtlich sehr, sehr krank –
wir werden alles tun was wir können, aber sie muss hier bleiben“.
Die Frau weinte und der Mann sah mir traurig nach und ich war
traurig, weil die Menschen wegen mir traurig waren und weil ich
nicht mit ihnen mit konnte. |
| |
|
 |
Mein Leben hing
am seidenen Faden, doch irgendwann habe ich all meine letzte Kraft
zusammengenommen und angefangen zu kämpfen. Es ging mir bald etwas
besser und ich konnte auch wieder von dem Katzenfutter essen, was
ich immer so gerne mochte und dann kam der Tag, wo mich der Mann in
meine Plastikkiste setzte und ENDLICH kamen meine Menschen wieder
und holten mich nach Hause.
Ach habe ich mich
gefreut, als ich wieder bei meinen Kindern und auch bei den anderen
Pelzen war (so schlecht waren die nicht, aber das durfte man sich
nicht anmerken lassen, als Thai will man schließlich nicht sein
Gesicht verlieren *g*) und bei meinen geliebten Menschen!!! |
| |
|
|
Eine Zeit später,
sagte man mir, dass Schröder nicht mehr heimkommen würde und seine
Leute ihn schon überall suchten. Irgendwann einmal – nachts, als
meine Menschen schliefen und die anderen Samtpfoten auch – hat er
mich besucht und mir gesagt, dass er jetzt im Regenbogenland wäre
und dort schon Krümel und Flo getroffen hat und mit ihnen dort den
ganzen Tag spielen würde und ich mir keine Sorgen machen müsste… Da
habe ich mich sehr gefreut, denn ich wusste jetzt wo Schröder war.
Ich habe auch versucht, das meinen Menschen zu sagen, damit sie es
Schröders Familie sagen, aber sie konnten noch immer kein kätzisch.
Es vergingen
wieder viele glückliche Jahre, ich war eigentlich noch nie so
glücklich, weil ich immer ausreichend zu essen hatte, auf der
Heizung oder in der Sonne schlafen konnte, im Bett geknuddelt wurde
und vor allem der Mann mein bester Freund wurde! Alles war schön und
ich war froh, dass mich die Leute entführt haben, damals 1997 in
Chiang Mai, aus der Schmetterlingsfarm…
Irgendwann beim
Streicheln ist dann der Mann, mein bester Freund (der war FAST schon
wie eine richtige Katze) furchtbar erschrocken und holte die
Menschin. Die streichelte mich auch und auch sie war ganz betrübt
danach. Sie sagten etwas von Knoten im Gesäuge und ich wurde wieder
in meine Plastikkiste gesetzt und musste zu einem „Tierarzt“ (so
hießen auch die Männer, bei denen ich früher schon war). Da bekam
ich eine Spritze und schlief ein, ich weiß nicht, was dieser
Tierarzt mit mir gemacht hat – denn ich wachte erst später wieder
auf und hatte eine ganz lange Narbe am Bauch. Meine Leute haben mir
auch erklären wollen, was das war, aber ich bin doch nur eine Katze
und weiß nicht was ein bösartiges Adenokarzinom ist… |
| |
|
Ich musste dann
in den nächsten Monaten oft in meine Box und wurde immer zu einem
Professor gebracht, der mich piekste und dann wurde ich immer eine
halbe Stunde gekrault und bekam dabei eine Flüssigkeit in meine Vene
geträufelt. Irgendwann war das dann zu Ende und ich wurde nur noch
„nachuntersucht“, wie man das nannte.
Meine Menschen
waren wieder fröhlich und glücklich und sagten mir, dass ich den
Krebs (ich weiß auch nicht was das ist) besiegt hätte. Na gut, ich
war schon immer ein Siegertyp und eine Kämpferin und wenn es meine
Leute glücklich machte, dann war es auch für mich ok! |
 |
| |
|
|
Das war im
Dezember 2001 – und wieder verging eine lange glückliche Zeit. Bis
zu einem Tag im März 2004 – mir war schrecklich übel, ich musste
mich übergeben, ich hatte Durchfall und ich konnte mich kaum auf den
Beinen halten. Wieder wurde ich zu einem Tierarzt gebracht, der
machte „Bluttests“ und sagte meinen Leuten, dass ich kaputte Nieren
hätte und es mir sehr schlecht ginge. In den folgenden Tagen musste
ich immer wieder zu diesem Tierarzt und dann musste ich auch
tageweise dort bleiben, das wollte ich aber nicht, weil ich lieber
zu Hause in meiner warmen Hängematte an der Heizung liegen wollte.
Als es mir wieder
besser ging, durfte ich wieder zu meinen Menschen und ich war
glücklich. Zwar musste ich jeden Tag verschiedene Medikamente nehmen
und bekam jeden Tag einen Pieks in den Nacken, worüber ich
Flüssigkeit bekam, damit es meinen Nieren besser ging, aber das
machte mir nichts aus, denn so konnte ich da sein, wo ich mein
ganzes Leben am Liebsten war - DAHEIM!!! |
| |
|
 |
Es vergingen noch
einmal 3 Monate, wo es mir mal etwas schlechter, aber dann auch
immer wieder gleich besser ging. Bis dann am letzten Donnerstag für
mich der Tag kam, an dem ich nicht mehr glücklich war – irgendwie
war mir sehr komisch, ich wollte nicht mehr bei meinen Kindern sein,
ich wollte auch nicht mehr bei der Menschin sein und knurrte sie an,
damit sie mich nicht fütterte – denn ich wollte auch nichts essen
und war froh, dass sie arbeiten ging und auch mein bester Freund,
der Mann nicht da war…
Auch am Abend
ging es mir nicht besser, aber ich ließ mich im Bett richtig
knuddeln und habe das genossen!
Am Freitag dann
musste ich mich oft übergeben und ich wurde immer schwächer, konnte
nicht mehr richtig laufen, musste mich immer wieder setzen… als die
Menschin nach Hause kam von ihrer Arbeit, wollte sie mir wieder
Futter geben, doch ich wehrte mich ganz heftig und spuckte alles
aus, versuchte wieder eine dunkle Ecke zum verkriechen zu suchen –
wie schon einmal in meinem Leben… |
| |
|
|
Doch diesmal
wusste sowohl ich als auch meine Menschin, dass es das letzte mal
sein sollte, dass ich noch einem Versteck suchte. Ich hab sie
angesehen und gehofft, dass sie endlich kätzisch gelernt hätte und
verstehen würde, was ich ihr mitteilen wollte…
Noch einmal wurde
ich in meine Plastikkiste gesetzt, noch einmal wurde ich zu meinem
Tierarzt gebracht, noch einmal hat man mein Blut untersucht und ich
durfte im Wartezimmer auf dem Schoss von meiner Menschin sitzen,
weil ich immer so neugierig war – doch diesmal wollte ich lieber in
meine Box sitzen, es gab dort nichts mehr, auf was ich neugierig
war.
Ein letztes mal
wurden wir wieder in den Behandlungsraum gerufen und der Tierarzt
sagte, dass meine Blutwerte katastrophal seien und man mir nicht
mehr helfen könne…
Aber das haben
meine Menschin und ich vorher schon gewusst. |
| |
|
Ich wurde nun
noch ein allerletztes mal gepiekst und etwas warmes lief in meinen
Körper – ich sah zum Fenster hinaus und die Sonne blinzelte mir zu –
meine Menschin streichelte mich und weinte, sie weinte aber nicht
weil sie enttäuscht von mir war, sondern weil sie mich liebte – das
habe ich gespürt…
Und dann wurde
ich müde und schlief ein – und als ich wach wurde spürte ich eine
grosse Befreiung in mir: mir war nicht mehr übel, mir tat nichts
mehr weh und ich war wieder kräftig… und seltsam, ich konnte
plötzlich meine Menschin sehen, aber nicht so gross, wie früher,
wenn sie vor mir tand – sondern kleiner und anders – und da wusste
ich: |
 |
| |
|
|
SIE HATTE ES
GELERNT, sie kann jetzt kätzisch, SIE HAT VERSTAND WORUM ICH SIE
GEBETEN HATTE… und sie hat mir meinen letzten Wunsch erfüllt!
Und nun bin ich
hier bei Schröder, auf einer weichen, warmen Wolke und auch Krümel
und Flo werden sich zu uns gesellen…
Ich sehe meine
Menschin weinen, aber meinem besten Freund, dem Mann geht es noch
viel schlechter, denn er meint, er hätte sich nicht verabschieden
können… aber wozu verabschieden? Wir sehen uns wieder – später
– hier im Regenbogenland… |
| |
|
Weinet nicht an meinem Grab um mich;
Ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.
Ich bin der Wind über dem See,
Christallglitzer auf dem Winterschnee.
Ich bin am Tag das Sonnengold,
Ich bin der Regen herbstlich hold.
Ich bin das tiefe Himmelsblau,
Der schöne, frische Morgentau.
Sucht mich und blickt im Dunkeln in die Ferne -
Bei Nacht bin ich das Funkeln der Sterne.
Zündet für mich eintausend Kerzen an,
Und vergesst mich nie - keine Sekunde lang.
Steht nicht am Grab, die Augen rot.
Ich bin nicht dort, ich bin nicht tot. |
| |
Ich bitte Euch, denkt fröhlich und lachend an mich - ich
hab Euch lieb und vergesse Euch nicht!
|