SHIRA - die "Glückskatze" aus Thailand

mit freundlicher Genehmigung von Melanie Metz

 

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Sawadee - oder "guten Tag", wie man in Deutschland sagt - mein Name ist Shira...

 

… ich sitze hier oben auf einer warmen, weichen Wolke zusammen mit meinem Sohn Schröder, den ich am Freitag, den 04.06.2004 nach über 7 Jahren im Regenbogenland wieder getroffen habe…

Aber ich denke, es ist besser meine Geschichte von Anfang an zu erzählen: Diese beginnt irgendwann um 1990 im Norden von Thailand – dort wurde ich geboren und da ich eine schöne blaue Farbe hatte, die von den Thai „korat“ genannt wird und angeblich Glück bringen soll, hat man mir als erstes einmal meinen Schwanz an der Spitze gebrochen… denn eine blaue Katze mit Knickschwanz bringt gleich noch einmal soviel Glück.

   

Dort lebte ich also tagein - tagaus, ich bekam auch ein paar Mal Kinder, die die alte Frau verkaufte, damit wir wieder Reis und Katzenfutter bekommen konnten… Irgendwann einmal – man sagte mir es sei 1997 gewesen - verirrten sich auch zwei Touristen in das hinterste Eck in der Schmetterlingsfarm in der wir lebten und kuckten uns Samtpfoten an – zu der Zeit lag ich wieder einmal schwanger, mit meinem Bäuchlein in die Sonne gestreckt auf einem Holzbrett und wunderte mich, dass die ausgerechnet mich anguckten und streichelten – aber dann gingen sie auch wieder. Ganz bestimmt haben sie sich geekelt vor mir, weil ich eine ganz böse Ohrenentzündung hatte und der Eiter ganz widerlich stank (ich ekelte mich ja schon selbst vor mir).

 

Zwei Tage später kamen die Menschen aber wieder und streichelten mich erneut und gingen wieder… Aber dann kam die alte Frau mit einer Plastikkiste und setzte mich da hinein… ich maunzte aber ganz empört, denn ich wollte dort nicht weg, ich kannte doch nichts anderes und wie sollte ich denn meine Kinder aufziehen, wenn ich nicht wusste wo! Aber alles jammern half nichts, diese Farangs (so nennen wir „Ausländer“ in Thailand) entführten mich einfach…

   

Sie nahmen mich mit, gaben mir einen Namen – ich hieß ab diesem Zeitpunkt Shira - und waren lieb zu mir: Ich bekam jetzt jeden Tag von diesem Katzenfutter und das ganze OHNE REIS! Ich fühlte mich wohl, obwohl ich nie in einem Haus gelebt hatte. Und weil ich mich so wohl fühlte, beschloss ich noch auf der Reise, die ich mit MEINEN neuen Menschen durch Thailand machte, meine Babys zu bekommen – 6 Stück an der Zahl. Ich hatte mir einfach den Kleiderschrank ausgesucht, da war es trocken, warm und es gab viele weiche Unterlagen…

   
 

Meine Menschen waren sehr erstaunt darüber, ich glaube die dachten ich wäre einfach nur übergewichtig und haben dann ganz hektisch angefangen in so ein komisches Gerät zu sprechen, das Telefon hieß – was sie da genau beredeten weiß ich nicht, denn ich verstand zu dem Zeitpunkt noch kein Wort von dem was sie in der fremden Sprache über mich sagten und die konnten wirklich kein Wort Thai…

Irgendwann wurde ich wieder in meinen Plastikkorb verfrachtet und meine Babys auch und es ging wieder auf die Reise, aber dieses mal musste ich viel länger in dem Behälter bleiben und durfte nur einmal in der Nacht raus und in einem „Flugzeug“ herumlaufen, wie die Menschen das nannten und da mich meine neue Menschin ganz lieb gebeten hat, habe ich auch schnell meine Geschäfte auf der Flugzeigtoilette in einem für mich eigens präparierten Behältnis mit Sand drin erledigt.

 

Irgendwann kamen wir dann mal an und ich durfte wieder aus meinem Behältnis: OH SCHRECK, wie EKELIG, da waren noch 4 Samtpfoten in der Wohnung. NEIN, ich wollte meine Menschen nicht teilen und hab den anderen gleich mal Prügel angedroht um meine alleinige Herrschaft zu verkünden… und die dummen deutschen Katzen sind drauf reingefallen, dabei war ich höchstens halb so schwer wie die alle…

Dann kam einmal ein Mann zu uns ins Haus, der mein Ohr anguckte – das Ohr hatte ich inzwischen ganz vergessen, denn ich hatte mit meinen Babys zu tun und diese Entzündung hatte ich schon so lange, dass der Schmerz mir schon zum Freund geworden war. Aber ab diesem Tag bekam ich nasses, kühles Zeug ins Ohr und irgendwann waren da gar keine Schmerzen mehr.

   

Zwei meiner Babys haben leider nicht zunehmen wollen und die Menschin hat sie mit einer Flasche gefüttert, aber sie wuchsen trotzdem nicht und eines Tages hatte ich mich entschlossen, dass ich sie nicht weiter leben lassen durfte, denn wenn es mir früher passiert ist, dass ein Baby starb, dann rochen das die Hunde und kamen – und dann lebte keines meiner Kinder mehr. Also habe ich das getan, was eine gute Katzenmama tut, ich habe Flo und Krümel getötet, damit Kimba, Kuschel, Schoko und Schröder überleben konnten. Als meine Menschen das bemerkten waren sie traurig und ich glaube auch sehr enttäuscht von mir, aber sie wussten ja nicht, warum ich so handeln musste.

Sie haben mich aber trotzdem nicht wieder in die Schmetterlingsfarm zurückgebracht! Und so wuchsen meine anderen Kinder weiter dort auf und auch die anderen 4 Samtpfoten wurden meine „Freunde“, auch wenn ich die unangefochtene Chef-Samtpfote war.

 

Schröder hat die Menschin dann irgendwann einmal mitgenommen, sie hat mir erklärt, dass er bei einer Freundin einziehen würde, zu einer anderen Samtpfote und zu einem Hund – ich war erschrocken, denn Hunde waren immer unsere Feinde… aber ich bekam ein Foto von Schröder, auf dem er mit diesem „Hunde“ und der anderen Pfote zu sehen war und dann war das auch ok für mich. Es gab auch andere Menschen die eines von meinen Babys haben wollten, aber keiner war meinen Menschen gut genug und so blieben wir zusammen, die ganze Familie - bis zum Schluss…

   

Ich lebte also glücklich und zufrieden, bis es mir irgendwann einmal sehr schlecht ging… ich wurde wieder zu diesem Mann gebracht, der mir mein Ohr heile gemacht hatte, aber der wusste wohl nicht was es ist, denn es wurde dieses mal nicht besser. Ich wurde zu einem zweiten Mann gebracht und auch der half mir nicht. Ich hatte schon damit gerechnet, dass ich heimgehen würde zu meiner Mama… ich suchte mir einen dunklen Platz und war bereit meine Kinder und meine geliebten Menschen zurückzulassen.

Aber so leicht gaben die Menschen nicht auf, ich wurde in eine Kiste gepackt, auf eine Wärmflasche gesetzt und wir fuhren lange im Auto. Dann wurde ich wieder von so einem Mann untersucht und der packte mich unter den Arm und sagte „Diese Katze ist offensichtlich sehr, sehr krank – wir werden alles tun was wir können, aber sie muss hier bleiben“. Die Frau weinte und der Mann sah mir traurig nach und ich war traurig, weil die Menschen wegen mir traurig waren und weil ich nicht mit ihnen mit konnte.

 

Mein Leben hing am seidenen Faden, doch irgendwann habe ich all meine letzte Kraft zusammengenommen und angefangen zu kämpfen. Es ging mir bald etwas besser und ich konnte auch wieder von dem Katzenfutter essen, was ich immer so gerne mochte und dann kam der Tag, wo mich der Mann in meine Plastikkiste setzte und ENDLICH kamen meine Menschen wieder und holten mich nach Hause.

Ach habe ich mich gefreut, als ich wieder bei meinen Kindern und auch bei den anderen Pelzen war (so schlecht waren die nicht, aber das durfte man sich nicht anmerken lassen, als Thai will man schließlich nicht sein Gesicht verlieren *g*) und bei meinen geliebten Menschen!!!

   

Eine Zeit später, sagte man mir, dass Schröder nicht mehr heimkommen würde und seine Leute ihn schon überall suchten. Irgendwann einmal – nachts, als meine Menschen schliefen und die anderen Samtpfoten auch – hat er mich besucht und mir gesagt, dass er jetzt im Regenbogenland wäre und dort schon Krümel und Flo getroffen hat und mit ihnen dort den ganzen Tag spielen würde und ich mir keine Sorgen machen müsste… Da habe ich mich sehr gefreut, denn ich wusste jetzt wo Schröder war. Ich habe auch versucht, das meinen Menschen zu sagen, damit sie es Schröders Familie sagen, aber sie konnten noch immer kein kätzisch.

Es vergingen wieder viele glückliche Jahre, ich war eigentlich noch nie so glücklich, weil ich immer ausreichend zu essen hatte, auf der Heizung oder in der Sonne schlafen konnte, im Bett geknuddelt wurde und vor allem der Mann mein bester Freund wurde! Alles war schön und ich war froh, dass mich die Leute entführt haben, damals 1997 in Chiang Mai, aus der Schmetterlingsfarm…

Irgendwann beim Streicheln ist dann der Mann, mein bester Freund (der war FAST schon wie eine richtige Katze) furchtbar erschrocken und holte die Menschin. Die streichelte mich auch und auch sie war ganz betrübt danach. Sie sagten etwas von Knoten im Gesäuge und ich wurde wieder in meine Plastikkiste gesetzt und musste zu einem „Tierarzt“ (so hießen auch die Männer, bei denen ich früher schon war). Da bekam ich eine Spritze und schlief ein, ich weiß nicht, was dieser Tierarzt mit mir gemacht hat – denn ich wachte erst später wieder auf und hatte eine ganz lange Narbe am Bauch. Meine Leute haben mir auch erklären wollen, was das war, aber ich bin doch nur eine Katze und weiß nicht was ein bösartiges Adenokarzinom ist…

 

Ich musste dann in den nächsten Monaten oft in meine Box und wurde immer zu einem Professor gebracht, der mich piekste und dann wurde ich immer eine halbe Stunde gekrault und bekam dabei eine Flüssigkeit in meine Vene geträufelt. Irgendwann war das dann zu Ende und ich wurde nur noch „nachuntersucht“, wie man das nannte.

Meine Menschen waren wieder fröhlich und glücklich und sagten mir, dass ich den Krebs (ich weiß auch nicht was das ist) besiegt hätte. Na gut, ich war schon immer ein Siegertyp und eine Kämpferin und wenn es meine Leute glücklich machte, dann war es auch für mich ok!

   

Das war im Dezember 2001 – und wieder verging eine lange glückliche Zeit. Bis zu einem Tag im März 2004 – mir war schrecklich übel, ich musste mich übergeben, ich hatte Durchfall und ich konnte mich kaum auf den Beinen halten. Wieder wurde ich zu einem Tierarzt gebracht, der machte „Bluttests“ und sagte meinen Leuten, dass ich kaputte Nieren hätte und es mir sehr schlecht ginge. In den folgenden Tagen musste ich immer wieder zu diesem Tierarzt und dann musste ich auch tageweise dort bleiben, das wollte ich aber nicht, weil ich lieber zu Hause in meiner warmen Hängematte an der Heizung liegen wollte.

Als es mir wieder besser ging, durfte ich wieder zu meinen Menschen und ich war glücklich. Zwar musste ich jeden Tag verschiedene Medikamente nehmen und bekam jeden Tag einen Pieks in den Nacken, worüber ich Flüssigkeit bekam, damit es meinen Nieren besser ging, aber das machte mir nichts aus, denn so konnte ich da sein, wo ich mein ganzes Leben am Liebsten war  - DAHEIM!!!

 

Es vergingen noch einmal 3 Monate, wo es mir mal etwas schlechter, aber dann auch immer wieder gleich besser ging. Bis dann am letzten Donnerstag für mich der Tag kam, an dem ich nicht mehr glücklich war – irgendwie war mir sehr komisch, ich wollte nicht mehr bei meinen Kindern sein, ich wollte auch nicht mehr bei der Menschin sein und knurrte sie an, damit sie mich nicht fütterte – denn ich wollte auch nichts essen und war froh, dass sie arbeiten ging und auch mein bester Freund, der Mann nicht da war…

Auch am Abend ging es mir nicht besser, aber ich ließ mich im Bett richtig knuddeln und habe das genossen!

Am Freitag dann musste ich mich oft übergeben und ich wurde immer schwächer, konnte nicht mehr richtig laufen, musste mich immer wieder setzen… als die Menschin nach Hause kam von ihrer Arbeit, wollte sie mir wieder Futter geben, doch ich wehrte mich ganz heftig und spuckte alles aus, versuchte wieder eine dunkle Ecke zum verkriechen zu suchen – wie schon einmal in meinem Leben…

   

Doch diesmal wusste sowohl ich als auch meine Menschin, dass es das letzte mal sein sollte, dass ich noch einem Versteck suchte. Ich hab sie angesehen und gehofft, dass sie endlich kätzisch gelernt hätte und verstehen würde, was ich ihr mitteilen wollte…

Noch einmal wurde ich in meine Plastikkiste gesetzt, noch einmal wurde ich zu meinem Tierarzt gebracht, noch einmal hat man mein Blut untersucht und ich durfte im Wartezimmer auf dem Schoss von meiner Menschin sitzen, weil ich immer so neugierig war – doch diesmal wollte ich lieber in meine Box sitzen, es gab dort nichts mehr, auf was ich neugierig war.

Ein letztes mal wurden wir wieder in den Behandlungsraum gerufen und der Tierarzt sagte, dass meine Blutwerte katastrophal seien und man mir nicht mehr helfen könne…

Aber das haben meine Menschin und ich vorher schon gewusst.

 

Ich wurde nun noch ein allerletztes mal gepiekst und etwas warmes lief in meinen Körper – ich sah zum Fenster hinaus und die Sonne blinzelte mir zu – meine Menschin streichelte mich und weinte, sie weinte aber nicht weil sie enttäuscht von mir war, sondern weil sie mich liebte – das habe ich gespürt…

Und dann wurde ich müde und schlief ein – und als ich wach wurde spürte ich eine grosse Befreiung in mir: mir war nicht mehr übel, mir tat nichts mehr weh und ich war wieder kräftig… und seltsam, ich konnte plötzlich meine Menschin sehen, aber nicht so gross, wie früher, wenn sie vor mir tand – sondern kleiner und anders – und da wusste ich:

   

SIE HATTE ES GELERNT, sie kann jetzt kätzisch, SIE HAT VERSTAND WORUM ICH SIE GEBETEN HATTE… und sie hat mir meinen letzten Wunsch erfüllt!

Und nun bin ich hier bei Schröder, auf einer weichen, warmen Wolke und auch Krümel und Flo werden sich zu uns gesellen…

Ich sehe meine Menschin weinen, aber meinem besten Freund, dem Mann geht es noch viel schlechter, denn er meint, er hätte sich nicht verabschieden können… aber wozu verabschieden? Wir sehen uns wieder – später – hier im Regenbogenland…

 

Weinet nicht an meinem Grab um mich;
Ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.

Ich bin der Wind über dem See,
Christallglitzer auf dem Winterschnee.
Ich bin am Tag das Sonnengold,
Ich bin der Regen herbstlich hold.

Ich bin das tiefe Himmelsblau,
Der schöne, frische Morgentau.
Sucht mich und blickt im Dunkeln in die Ferne -
Bei Nacht bin ich das Funkeln der Sterne.

Zündet für mich eintausend Kerzen an,
Und vergesst mich nie - keine Sekunde lang.
Steht nicht am Grab, die Augen rot.
Ich bin nicht dort, ich bin nicht tot.

 

Ich bitte Euch, denkt fröhlich und lachend an mich - ich hab Euch lieb und vergesse Euch nicht!

 

 
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