TONI - ein alter Hund erzählt aus seinem Leben

mit freundlicher Genehmigung von Tonis lieber Familie

 

 

 

Durch anklicken der Bilder in dem folgenden Text, werden die Fotos in Originalgröße angezeigt!

Hallo miteinander. Ich bin der Toni, genannt das Tönchen, und ich würde euch gerne etwas aus meinem Leben erzählen...

Wenn ich euch mein ganzes Leben anvertrauen wollte, müsste ich wohl einen Roman schreiben. Zunächst mal begnügen wir uns mit einer Kurzgeschichte, die nicht zuletzt dazu dienen soll, meinen vierbeinigen Kumpels Mut zu machen, denen es noch immer so schlecht geht, wie es mir einmal gegangen ist. Und mit ein bisschen Glück macht sie auch euch Menschen Mut,  einen passenden tierischen Gefährten im Tierheim zu suchen. Meinesgleichen wartet dort wirklich sehnsüchtig auf ein schönes Zuhause.

Doch nun zurück zu mir. Es ist erst wenige Monate her, da glaubte ich fast nicht mehr daran, dass noch irgendetwas Schönes in meinem Leben auf mich warten würde. Von der Straße aufgelesen, saß ich mutlos und traurig in einem ungarischen Tierheim. Die Zustände dort könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Am Allerschlimmsten war der Hunger, der tat richtig weh. Zu essen gab`s zwar nur vergammelte Abfälle, aber für die tat jeder von uns alles. Nun bin ich zwar als Schäferhund nicht gerade klein, aber die anderen waren trotzdem immer stärker, so dass ich fast nie etwas vom Essen abbekam. Dabei hätte ich wirklich alles dafür gegeben, wenigstens ein einziges Mal richtig satt zu werden.

Ich wurde immer schwächer und trauriger, und schließlich fiel den Pflegern auf, dass ich nur noch Haut und Knochen war, und sie setzten mich in Einzelhaft. Da habe ich dann tatsächlich etwas mehr zu fressen gehabt, worüber ich natürlich sehr froh war und den blutigen Durchfall, den die Abfälle bei mir verursachten, habe ich gerne in Kauf genommen. Allerdings war ich immer noch sehr einsam und traurig, weil nie jemand Zeit hatte, sich um mich zu kümmern.

Als ich damals auf diese Welt gekommen war, hatte ich eine riesengroße Portion Optimismus dabei gehabt, doch im Laufe der Zeit war der mir größtenteils genommen worden.

Als Hund auf  Ungarns Straßen ist das Leben wahrlich kein Zuckerschlecken, und es stört kaum jemanden, wenn wir geschlagen und getreten werden. Wir sind ja nur Hunde. Dabei haben wir alle ein Herz und eine Seele, auch wenn so viele Menschen zu einfältig sind, das zu sehen. Doch irgendwo, tief im Innern, wusste ich immer, dass es auch andere Menschen geben muss. Menschen, die uns mit Respekt und Liebe behandeln. Doch wo waren diese Menschen nur? Während ich auf dem kalten Beton in meinem Zwinger lag, ahnte ich, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis diese Hoffnung endgültig sterben würde. Und dann würde auch ich diese Welt verlassen. Doch bevor der letzte Funke erlosch, geschah das Wunder.

Es hatte schon vorher Gerüchte gegeben, dass manchmal Frauen aus Deutschland kommen und ein paar von uns mitnehmen. Mitnehmen in eine bessere Zukunft. Und dann war es wieder soweit. Das Auto mit den beiden Frauen, die unermüdlich gegen unser Elend ankämpfen, kam tatsächlich! Mein Herz klopfte ganz doll vor lauter Aufregung. Sollte womöglich ich einer der Glücklichen sein, der mit durfte ??

Ich konnte es erst gar nicht glauben, als wirklich mein Zwinger aufgeschlossen wurde!

Das Auto war eigentlich schon voll besetzt, aber ich habe mich ganz klein gemacht, und so passte ich noch mit rein. Zur Not wäre ich auch auf Dackelgröße zusammengeschrumpft. Hauptsache mit! Alles würde besser sein, als das Leben, was ich hinter mir ließ. Mann, war ich aufgeregt!

Tja, und dann kam ich tatsächlich in Deutschland an. Eine Nacht musste ich noch im Tierheim verbringen, aber dann war ich plötzlich in einer richtigen Familie. Das kannte ich bislang nur vom Hörensagen. Die erste Zeit dachte ich immer, ich träume und würde bald wieder in meinem kalten Zwinger aufwachen. Aber nein. Danni und Stephan existierten wirklich, und sie hörten nicht auf damit, mich liebevoll zu behandeln, mich zu baden   (zugegeben, ich muss wohl echt schlimm gestunken haben...), mit mir zu spielen und mir immer sehr leckeres Essen zu geben.

Außerdem gehörten noch Kurt und Harvey mit zur Familie, Vierbeiner wie ich. Harvey war sehr nett zu mir und Kurt....nun.....nett ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber welcher Chef ist schon nett? Auf jeden Fall war ich im Paradies gelandet, mir ging es so gut wie noch nie in meinem Leben.

Was ich überhaupt nicht verstehen konnte ( oder wollte) war, wenn Danni sagte, dass sie jetzt ein „ richtiges“  Zuhause für mich suchen wollte. Auch wenn das wohl schwer werden würde, weil ein in die Jahre gekommener Schäferhund wohl nicht so der Renner ist. Na, von mir aus brauchte sie  keinen Erfolg zu haben, ich hatte doch zum ersten Mal ein richtiges Zuhause, noch richtiger musste doch gar nicht sein. Oder wie jetzt?! Ohne mich, ich wollte bleiben, wo ich war und beschloss, alles dafür zu tun.

„ Seelchen“ nannte Danni mich und sah mich verliebt an. Gut, würde ich eben ihr Seelchen sein . Ich tat sogar so, als hätte ich nicht die geringsten Jagdambitionen und schleimte auch bei Kurt so gut ich konnte. Es war nämlich offensichtlich, dass Kurt

`ne Menge zu sagen hatte. Womöglich würde er ja die letzte Entscheidung über meine Zukunft treffen. Dem war allerdings nicht so.

Es kam der Tag, da nahm Danni mich beiseite und erkärte, dass wir alle zusammen eine lange Autofahrt machen würden, und sie mich bei meiner neuen Familie abliefern würde. Halt! Sagte ich nicht, dass ich bleiben wollte? Danni war sehr traurig, schüttelte aber trotzdem den Kopf  . Meine neuen Menschen würden auch sehr lieb zu mir sein, beteuerte sie. Und dass ich es wirklich gut dort haben würde. Na, die konnte ja viel erzählen. Mir war das Ganze jedenfalls sehr sehr unheimlich und ich wollte keine neue Familie! Meine Meinung zählte aber nicht, und so fuhren wir eine lange Nacht mit dem Auto. Schließlich hielten wir an. Alle waren sehr aufgeregt. Besonders Danni und ich ( Kurt eher cool wie immer).

Wir waren auf einem Rastplatz, und da kamen schon die Menschen, mit denen Danni mich verabredet hatte. Die waren zwar ganz freundlich, aber ich wollte trotzdem nichts mit denen zu tun haben und entfernte mich lieber etwas vom Ort des Geschehen. Nützte mir aber nix, sie erwischten meine Schwachstelle und lockten mich mit Essen in das fremde Auto. Und dann ging   es auch schon weiter. Ich alleine mit diesen beiden Fremden, die nun meine neue Familie sein sollten. Kann nicht sagen, dass mir das Ganze gefiel.

Tja, und seitdem ist die Zeit wie im Flug vergangen. Ich lebe jetzt schon seit 7 Wochen bei den „ Fremden“.

Die ersten paar Tage war ich ja noch etwas verhalten und auch ein wenig schüchtern. Und weil ich meine neues Frauchen und Herrchen ja noch gar nicht richtig kannte, hab ich draußen auch nicht besonders gut gehorcht. Hab dann aber schnell gemerkt, dass ich immer nur freundliche Worte und/oder Leckerlis ernte, wenn ich gleich komme, und so entschied ich mich dann doch sehr schnell, mich so zu verhalten, als hätte ich jahrelang die Hundeschule besucht. Will ja nicht angeben, aber ich bin doch ein kleines Sprachengenie, und hab sehr schnell deutsch gelernt.

Nur wenn Hasen auftauchen (die sind aber auch lecker!) kann ich mal kurz auf Durchzug stellen, ist aber echt selten.

Ansonsten genieße ich es sehr, auf meinen drei täglichen Spaziergängen in der Natur umherzuflitzen. Mein Wohnort hier ist sehr schön, es gibt viele Wiesen und Felder und , was auch sehr wichtig ist, viele nette Artgenossen. Mit einigen kann man prima toben und spielen. Frauchen freut sich immer sehr, dass ich mit  allen gut auskomme. Nur an der Leine mache ich manchmal einen auf wichtig (macht auch mal Spaß...). Wenn ich frei laufe, gehe ich aber lieber jedem Streit aus dem Weg. Hier geht’s schließlich nicht ums Überleben, alle werden zuhause bestens versorgt, und da kann man doch das Leben draußen einfach genießen. Wär doch blöd, wenn nicht, oder?

Das gute Essen und die viele Bewegung an der frischen Luft haben übrigens in der Zwischenzeit einen richtig stattlichen Kerl aus mir gemacht. Das arme Seelchen ist rein äußerlich von mir gewichen, wenngleich ich natürlich immer noch eine gute Seele habe.

Jetzt sagen sie manchmal Rocker zu mir, aber das finde ich übertrieben. Na ja, richtig ernst meinen sie es wohl auch nicht. Schließlich bin ich eigentlich ein ganz artiger Junge (jedenfalls meistens). Nur einmal hat mich zugegeben wirklich der Hafer gestochen. Nach ein paar Tagen in meinem neuen Zuhause, hab ich einfach mal probiert, wie weit ich in der Rangfolge nach oben oben kommen kann.....und da war ich so tollkühn zu probieren, Frauchen nicht aufs Sofa zu lassen. Schließlich lag ich auch gerade so gemütlich und hatte einfach keine Lust zu rücken. Na ja, da hab ich ihr halt meine schönen Zähne gezeigt und entsprechend geknurrt. Aber hui, das habe ich ganz schnell bereut. Mein Frauchen, das ich bis dahin nur sehr lieb kannte und das immer nur äußerst sanft mit mir gesprochen hatte, konnte ja richtig laut brüllen! Und ehe ich mich versah, war ich runter vom Sofa. Nun, da hatte ich  mit Rosinen gehandelt. Ich war dann auch lieber erstmal ganz kleinlaut und hab kleine Brötchen gebacken...

Später haben wir dann in Ruhe drüber geredet und ich habe versprochen, nie wieder Chef zu spielen (auf Dauer wär mir die Rolle sowieso zu anstrengend). Seitdem ich nun meinen Platz kenne, leben wir alle friedlich und harmonisch zusammen (und das Sofa wird brüderlich geteilt!) .

Und eines muss ich sagen, es ist wirklich nicht schlecht, verwöhntes Einzelkind zu sein.

Kein Kurt, der sich ständig vordrängelt. Jetzt steh fast immer ich im Mittelpunkt. Gefällt mir ziemlich gut alles. Manchmal kann ich es wirklich immer noch nicht glauben, dass ich zweimal hintereinander so ein Glück hatte!

Also meine Freunde da draußen: Gebt die Hoffnung nicht auf, dass es auch für euch noch ein schönes Plätzchen geben kann. Ich bin ja wohl das beste Beispiel, dass man sogar als älterer Schäferhund noch mal richtig Glück haben kann. Es gibt bestimmt noch mehr Menschen wie meine Familie, die bereit sind, einen (vermeintlichen) Rentner aufzunehmen. Und die es zu schätzen wissen, dass wir eine gewisse Reife und Lebenserfahrung mitbringen.

An dieser Stelle ein kleiner Hinweis an die Menschen, die partout nur einen Welpen aufnehmen wollen, weil das Vorurteil einfach nicht aussterben will, dass das einfacher sei.

Jedes knuddelige Hundebaby kommt irgendwann ins Rüpelalter und wird dann leider viel zu oft ins Heim abgeschoben, weil die Menschen zu unerfahren sind, um damit richtig umzugehen. Und selbst wenn ihr diese Phase souverän meistert, wird der Tag kommen, da ihr in die Augen eures Welpen blickt und feststellt, dass ihr einen Rentner vor euch habt….

Ich persönlich hab ja etwas geflunkert, was das Alter angeht. Der ungarische Tierarzt hat in meine Unterlagen geschrieben, dass ich 14 bin ( so alt habe ich mich damals allerdings wirklich gefühlt), der deutsche Tierarzt ist dann auf 8 runter gegangen. Frauchen hegt den Verdacht, dass auch das nicht stimmt. Ich sag dazu nix und lächel leise. Mit ein wenig Altersweisheit. Ist doch auch egal, wieviel Jahre ich schon auf dem Buckel habe. Bin jedenfalls fest entschlossen, die kommenden Jahre zu genießen!

   

So, ihr Lieben, ich hoffe, dass euch meine Geschichte gefallen hat.

Ach so, bevor ich es vergesse: von Frauchen und Herrchen soll ich noch ausrichten, dass sie sehr froh sind, so einen Schatz wie mich zu haben (na also, bin zwar kein Seelchen mehr, aber immerhin ein richtiger Schatz – und nur ausnahmsweise ein kleiner Rocker).

   

Alles Liebe und ein tolles Zuhause für meine Kumpels (die alle so dringend auf liebevolle Menschen und ein richtiges Heim warten)  

wünscht  euer Toni  

 

 
zurück zur Auswahl "Erfahrungen"