|
|

|
Malaga hin und zurück
mit
freundlicher Genehmigung von Stephanie Fassbender
Durch
anklicken der Bilder in dem folgenden Text, werden die
Fotos in Originalgröße angezeigt!
Schon
seit längerer Zeit war uns klar, dass man zwar ohne Hund
leben kann, jedoch ist das Leben ganz leer. Als wir unsere
geliebte Jamie im September 2006 nach schwerer Krankheit
verloren hatten, waren wir schockiert und so voller
Trauer, dass wir gar nicht über einen anderen Hund
nachgedacht haben; es kam uns vor wie Verrat.
Nach
knapp zwei Monaten – im November 2006 – stand ein Kätzchen
schreiend vor unserer Terrassentür. Obwohl wir eher
Hundemenschen sind, haben wir uns natürlich um
‚Tigerchen‘ gekümmert. Sie war nicht gechipt -
niemand, der sie vielleicht vermisst hätte, hat sich bei
uns gemeldet. Also haben wir sie adoptiert. Aber ein Hund
ist natürlich etwas ganz anderes.
Monate vergingen und die
Sehnsucht nach der Zeit mit Jamie wurde immer größer.
Schließlich, am Karfreitag 2008, rief ich Claudia und Jürgen
von ToZ an. Sie waren die Pflegefamilie von Jamie gewesen
und seither kennen wir uns. Wir telefonierten sehr lange
und gingen die Kandidaten auf der Homepage durch. Am Wichtigsten war uns, dass der/die Neue
katzenverträglich ist und stundenweise alleine bleiben
kann. Wir bevorzugen große Hunde und ältere, die noch
ein paar Jahre ein schönes und ruhiges Zuhause haben
sollen. Auch eventuelle gesundheitliche Beeinträchtigungen,
z.B. Mittelmeerkrankheiten sind für uns kein Problem, da
wir von unserer Jamie wissen, dass ein infiziertes Tier
auch ohne Symptome alt werden kann.
|
Claudia
schlug Milana vor, die noch im Tierheim in der Sierra
Nevada bei Granada lebte. Sie gab mir die E-Mail Adresse
von Anita, der dortigen Ansprechpartnerin, und ich nahm
Kontakt auf, um mehr über Milana zu erfahren. Von Anita
und Katrin (aus dem Partnertierheim in Kronach) erhielten
wir ganz ausführliche Informationen. Die größte
Herausforderung schien Milana’s Schüchternheit zu sein.
Sie war bereits im Tierheim geboren und hatte noch nicht
viel kennen gelernt. Aber wir hatten uns schon längst in
sie verliebt und waren uns sicher, dass wir ihre neue
Familie werden wollten. Anita und Katrin, die Milana schon
ganz lange kennen und die ihnen sehr am Herzen liegt,
schenkten uns Vertrauen und so stand einer Adoption nichts
mehr im Wege. Aber: Milana Spanien – Fassbenders
Deutschland – Hunderte von Kilometern liegen zwischen
uns. Meistens erfolgen solche grenzüberschreitenden
Vermittlungen über Flugpaten oder regelmäßige
Transporte. Nur wie lange konnte das dauern ? Wir gehörten
doch jetzt zusammen. Unmöglich auf unbestimmte Zeit zu
warten. So beschlossen wir, dass ich nach Malaga fliege,
um Milana abzuholen. Am liebsten wäre ich schon in der
kommenden Woche geflogen, doch die Impf-Karenz bis 22.
April musste eingehalten werden. Schwere Zeit für
Frischverliebte aber auch Gelegenheit, das Kennen lernen
gut vorzubereiten. Flüge mussten gebucht werden, am
besten Direktflüge, damit diese ungewohnte Prozedur so
schnell wie möglich vorübergeht.
|

|
|
Perfekt
– am 23. April gibt es einen direkten Hinflug am Morgen
und Rückflug am Abend. Ich rufe bei der Fluggesellschaft
an und buche voller Stolz den Rückflug mit Hund. Wie groß ist die Transportbox – wie schwer ist der Hund ?
Muss ich mit Anita klären – wird nachgemeldet.
Natürlich braucht Milana
ein dickes Kissen, Halsband und Leine, gesundes Futter….
Sämtliche Online-shops werden gestürmt. Dem Paketboten
schwant, warum das Schild ‚Warnung vor dem Hund‘ noch
immer am Tor angebracht ist. Somit ist er dem Postboten
voraus, dem wahrscheinlich heute noch die imposanten
Begrüßungen
von Jamie in den Knochen stecken. Aber wir warnen ihn
nicht – das würde ihn nur unnötig beunruhigen.
|
|

|
Da
ich für einen Tag ja nicht wirklich Gepäck benötige, könnte
ich vielleicht Nützliches für Anita und ihr Tierheim
mitnehmen. Parasitenhalsbänder, Wurmkur, Spielzeug,
Leckerlis – alles ist willkommen. ToZ schlägt sofort
vor zu spenden und Claudia besorgt die Medikamente und ‚Kongs‘
in allen Formen und Größen. Der Tierarzt spendet sogar
noch Verbandszeug.
Wir machen noch einen
Leckerchen-Einkauf und am Ende wiegt der Koffer 21 kg.
|

|
|
Und wenn ich schon mal diese Reise mache, dann könnte ich
doch vielleicht noch einen weiteren Schützling
mitbringen, dessen neue Familie auch sehnsüchtig wartet.
Also wird munter hin- und hertelefoniert und gemailt und
schließlich findet sich ein 6 Monate alter Welpe aus
einem anderen Tierheim, den ich als Flugpate mit nach
Deutschland nehmen werde. Anhand meiner Flugdaten nimmt
das Tierheim in Spanien die Anmeldung bei der
Fluggesellschaft vor, so dass ich mich um nichts kümmern
muss.
Die
Zeit will nicht vergehen – noch 2 Wochen, 1 Woche, 6
Tage… endlich ‚morgen‘ ist es soweit. Um 5 Uhr stehe
ich auf und mache mich voller Spannung und Vorfreude auf
den Weg zum Flughafen. Alles klappt reibungslos und nach
drei Stunden Flug lande ich im warmen und sonnigen Malaga.
Nun habe ich noch ca. sechs Stunden Zeit, bis die neuen
Freunde eintreffen. Das
Tierheim liegt in der Sierra Nevada in der Nähe von
Granada. Da es ein weiter Weg dorthin und zurück ist,
entscheide ich mich, nicht hinzufahren. Das Risiko, am
Ende den Heimflug zu verpassen, ist zu groß.
Leider
ist am Flughafen keine Gepäckaufbewahrung – aber
angeblich am Bahnhof. Also mache ich mich auf den Weg in
die Innenstadt, deponiere das Gepäck in einem Schließfach
und suche mir ein schönes Gartenrestaurant, in dem ich
mich mit spanischen Leckereien stärke.
Dann schaue ich mir die Kathedrale an und mache
noch einen Bummel durch die Einkaufsstraße. Normalerweise
ist keine Boutique vor mir sicher, aber heute bin ich zum
Shoppen viel zu aufgeregt. Beizeiten fahre ich zurück zum
Flughafen. Die Spannung wächst und gleichzeitig meine
Erschöpfung.
|
Schließlich erblicke ich Anita und Ihren
Mann mit einer großen und einer kleinen Transportbox. Ich
eile auf sie zu – wir begrüßen uns – es ist schön,
dass wir uns persönlich kennen lernen. Nun schaue ich nach
Milana. Zusammengekauert liegt sie in der Box und schaut
mich mit ängstlichen, aber wunderschönen Augen an. Der
Welpe ist munterer und möchte gerne raus. Wir nehmen ihn
aus der Box und lassen ihn umher tapsen. Ich werde ihn
ohnehin in einer Tasche mit in die Kabine nehmen; Milana
hingegen muss wegen Größe und Gewicht in den Frachtraum.
Nun erfolgt die Übergabe der Mitbringsel: wir öffnen den
Koffer und Anita ist außer sich vor Freude. Ihre Augen
strahlen und wieder einmal merke ich, dass ihr Leben den
Tieren gewidmet ist und unsere kleine Unterstützung –
normalerweise befinden sich 70 bis 80 Hunde im Tierheim
– ihr ein paar Sorgen nimmt. Später wird sie uns Photos
von der Bescherung schicken.
|

|
|
Wir
treffen noch weitere Tierschützer und Flugpaten, die
Hunde mit nach Deutschland nehmen. Es ist schön zu
erfahren, dass es Gleichgesinnte gibt.
Die
Zeit des Abschieds naht. Ich weiß, dass es Anita nicht
leicht fällt. Sie kennt Milana seit 6 Jahren und hat den
großen, schwarzen, sanften Riesen in ihr Herz
geschlossen. Aber sie vertraut uns Milana an in der
Gewissheit, dass sie noch ein paar schöne Jahre haben
wird in einem eigenen Zuhause mit zwei exklusiv für sie
zuständigen Dosenöffnern.
Milana
muss zuerst einchecken: raus aus der Box – Box durch den
Sicherheitsscheck – Milana wieder rein und dann geht’s
ab. Keine schöne Prozedur, aber es ist ja für einen
guten Zweck; so trösten wir uns.
Auch
Anita und ich verabschieden uns schweren Herzens. Mit dem
Welpen in der Tasche, dessen neuer Familie ich noch rasch
mitteile wann
wir ankommen werden, trete ich den Heimweg
an. Es ist ein angenehmer Flug. Ich bin total geschafft, fühle
mich aber sehr glücklich.
|
|

|
In Köln/Bonn angekommen kann ich Milana unversehrt in
Empfang nehmen. Den Welpen übergebe ich den
erwartungsvollen neuen Besitzern. Dann treten Milana und
ich den letzten Teil der anstrengenden Reise an. Nach
kurzer Autofahrt kommen wir gegen Mitternacht zu Hause an.
Mein Mann erwartet uns ungeduldig und hat schon Wasser und
Futter bereitgestellt. Erstaunlicherweise kommt Milana
nach kurzer Bedenkzeit aus der Box und schlabbert erst mal
ordentlich Wasser. Der Hunger ist wohl nicht so groß. Sie
scheint etwas benommen zu sein, was nicht verwunderlich
ist nach den ganzen unerwarteten Ereignissen des Tages.
Doch bald sinkt sie in das dicke Kissen und
schlummert dem neuen Leben entgegen.
|
|
Inzwischen
ist Milana über zwei Wochen bei uns. Je nach Tagesform
ist sie eher zutraulich oder zurückhaltend. An der Leine
gehen kennt sie noch nicht und Treppen sind ihr suspekt
– ebenso wie Tigerchen. Diese traut sich nun schon auf
10 cm Abstand an Milana vorbei, so dass sich doch
vielleicht noch eine Freundschaft entwickeln könnte. Uns
ist klar, dass wir viel Geduld haben müssen, bis Milana
uns allen ihr Vertrauen schenken kann. Aber dann wird es
eine wunderschöne Zeit werden.
|

|
|
|