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Im letzten Jahr wünschte
ich mir eine zweite Katze zur Gesellschaft meiner zweijährigen
Wohnungskatze Pia. Ich hatte dabei gegenüber einer Frau mit
Katzenpflegestelle geäußert, dass eine Behinderung nicht per se
ein Grund sei, eine Katze nicht zu nehmen.
Im November 2006 bekam ich
dann einen Anruf, mit der Bitte, mir eine Fundkatze anzusehen, die
nur auf drei Beinen läuft. Meggie.
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Meggies Geburtsdatum wird
auf Mai 2006 geschätzt. Meggie kann ihr linkes Vorderbein nicht
benutzen. Ich lernte sie als klein, dünn, sehr verschmust und
lebhaft kennen – aber auch als schwer behindert. Sie hat im linken
Vorderbein kein Gefühl und
weil die Pfote über den Boden schleifte, fiel sie nahezu alle paar
Schritte darüber. Es gab sogar schon eine kleine Stelle, wo das
Fell abgescheuert war. Ich nahm Meggie in dem Bewusstsein mit nach
Hause, dass da auf jeden Fall ganz schnell eine Amputation
organisiert werden müsse. Darin war ich mir mit der Frau vom
Tierschutz einig. Noch dringender war nur, dass sie es erst mal warm
und trocken hat.
Zum Glück vertrugen sich
Pia und Meggie sehr schnell, so dass ich mir an dieser Front wenig
Sorgen machen musste.
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In dem Bemühen, einen möglichst
kompetenten Tierarzt oder eine kompetente Tierärztin zu finden, die
diese Amputation für so eine Tierschutzkatze übernehmen könnte,
stellte ich Meggie in verschiedenen Praxen vor und hatte zu weiteren
telefonischen Kontakt.
Gleich der erste Anruf in
Sachen Meggie war schockierend für mich. Die Tierärztin sagte, sie
würde eine solche OP nicht machen – das fand ich ja noch o.k..
Schließlich ist es immer gut, wenn jemand seine Grenzen kennt. Aber
die Begründung war, das sei nicht mit dem Tierschutz zu
vereinbaren. Eine Katze könne nicht mit drei Beinen gut leben, erst
recht nicht, wenn ein Vorderbein fehle, bei einem fehlenden
Hinterbein sei es eventuell noch etwas anderes. So rate sie mir
dringend dazu, die Sache zu überdenken, dann werde ich sicher auch
zu dem Schluss kommen, dass die einzig richtige Lösung im Sinne des
Tieres sei, sie einzuschläfern. Diesen Standpunkt bekam ich am
Telefon vermittelt, ohne dass die Tierärztin Meggie überhaupt
gesehen hatte.
Einschläfern? Dieses
verschmuste Bündel Katze, die sich so bemühte, die Wohnung zu
erobern und mit Pia zu spielen? Sie wäre sicher auch gern gerannt,
wenn sie dabei nicht immer auf das hängenden Pfötchen getreten und
hingefallen wäre. Sie hatte Hunger, forderte Streicheleinheiten und
der Schalk blitzte ihr aus den Augen. Einschläfern? Nein!
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In der Diagnose des Problems waren sich alle Tierärzte,
die Meggie kennen gelernt haben einig. Der Nervenstrang, der die
linke Vorderpfote versorgt ist irgendwo im Schulterbereich gerissen.
Sie hat im gesamten Bein kein Gefühl. Außerdem ist es sehr
wahrscheinlich, dass die Pfote im „Handgelenk“ mal gebrochen war
und ohne Behandlung schief zusammen gewachsen ist. Wann, wie, wo,
wodurch das passiert ist, weiß ich ebenso wenig wie sonst etwas über
Meggies Leben vor November 06. Einigkeit bestand auch darin, dass
eine Infektion in dieser Pfote gefährlich sein könne, vor allem
auch, wenn sie mangels Schmerzempfinden erst (zu) spät erkannt
wird. Die Tierärzte unterschieden sich in ihrer Meinung vor allem
darin, wie schnell und in welcher Höhe die Amputation zu erfolgen
habe. Würde sich die kahle Stelle entzünden? Wäre es genug, nur
bis zum Ellenbogen zu amputieren oder doch bis zur Schulter?
Amputation im Gelenk oder Knochen durchtrennen? Die Dame vom Tierschutz war ebenso engagiert, alles zu
organisieren, obwohl es ja nicht unerhebliche Kosten für den Verein
bedeutete und sie das Tier kaum kannte. Einschläfern war auch für
sie wegen Meggies anhänglichen Wesens von Anfang an keine Lösung. |
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Mir kamen indessen
Zweifel, ob unser Bestreben überhaupt richtig war – und selbst
wenn grundsätzlich, ob dann diese Eile geboten war.
Nach etwa anderthalb
Wochen zeigte sich nämlich, dass aus Meggie zunehmend weniger
Bruchlandungen zu verzeichnen hatte. Anscheinend lernte sie, die hängende
Pfote irgendwie in ihren Laufrhythmus einzubeziehen, ohne
draufzutreten und zu fallen. Mein vorsichtiger Optimismus und die
Zweifel an der Notwendigkeit einer Amputation wurden zum Glück in
einem kleinen aber feinen Forum bestärkt.
Ich stellte Meggie auch einer Tierheilpraktikerin vor, denn
ich wollte wissen, ob eventuell Reha-Maßnahmen erfolgversprechend wären.
Sie konnte mir in diesem Punkt wenig Hoffnungen machen, hatte aber
auch keinen Zweifel, dass Meggie mit diesem Pfötchen ein schönes
Leben haben könne. Schließlich müsse sie sich ja nicht selbst ernähren.
Nein, das muss Meggie nicht.
Also wurde in Absprache
mit der Dame von der Pflegestelle ein bereits bestehender OP-Termin
wieder abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben.
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Jetzt ist Meggie gute 4 Monate hier und hat
sich toll entwickelt. Die kahle Stelle ist schnell verheilt. Meggie
ist ein ganzes Stück gewachsen und das lahme Pfötchen weiter verkümmert.
Dadurch hängt das Pfötchen mehrere Zentimeter über dem Boden und
es gibt so gut wie kein Risiko des Wundscheuerns mehr. So nach und
nach hat Meggie gelernt, überall
da hinzukommen, wo sie hin will. Sei es, ganz nach oben auf
einen Kratzbaum mit nur einer Säule oder über eine steile Rampe
auf meinen Kleiderschrank, der 2,20 m hoch ist. Sie balanciert sogar
über das Balkongeländer und lehnt sich dabei geschickt gegen das
Katzenetz, mit dem der Balkon gesichert ist. Darüber kann ich mich
richtig freuen. Dass sie auch in Küchenregale springt, die in Höhe
der Hängeschränke angebracht sind und dort die Dose mit dem TroFu
runterschmeißt oder eine zum Auftauen oben auf den Küchenschränken
platzierte tiergefrorene Ente klauen will, die genauso viel wiegt,
wie Meggie, finde ich erst im Nachhinein lustig. Meggie hat mehr
Blumentöpfe auf dem Gewissen, als Pia in zweieinhalb Jahren. Und
das nicht etwa, weil Meggie so ungeschickt wäre, sondern nur, weil
sie überall hin muss. Meggie und Pia lieben beide intelligentes
Spielzeug und sind etwa gleich geschickt darin, z. B. Eierkartons zu
öffnen, Leckerlis aus Schuhkartons mit Löchern zu pfoteln oder
einen Hebel herunter zu
ziehen, damit Leckerlis durch ein Rohr fallen und geangelt werden können. |
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Die Zeit zeigt es ganz
deutlich – Meggie kommt ohne ihre linke Vorderpfote
klar. Aber eine Amputation mit den damit verbundenen
Risiken braucht sie auch nicht. Es ist kein Leiden
erkennbar. Diese Pfote ist ein Teil von ihr, das wird auch
bei der Körperpflege deutlich. Sie wird liebevoll mit
geputzt. Hier und da braucht sie ein bisschen Unterstützung,
zum Beispiel beim Entfernen der losen Krallenhülsen an
dieser Pfote, da sie die Krallen nicht ausfahren kann,
gelingt das nur unzureichend. Außerdem fehlt die Pfote
zum Ohren waschen: Also muss ich vermehrt mein Augenmerk
darauf legen. Aber das ist auch schon alles, was Meggie
von anderen Katzen unterscheidet – jedenfalls was die
Pflege angeht. Ansonsten ist sie eine ganz und gar
einzigartige, charmante Persönlichkeit, die meine
introvertierte Pia wunderbar ergänzt. |
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