Pflegestelle sein - was bedeutet das...

mit freundlicher Genehmigung von Annelie Brabender

 

Durch anklicken der Bilder in dem folgenden Text, werden die Fotos in Originalgröße angezeigt!

 
 

Beim Durchlesen der verschiedenen Tierschutzseiten mit all den vielen Tierschicksalen wollte ich irgendwann aktiv mithelfen. Nach mehreren Anläufen bin ich schließlich bei Tiere ohne Zukunft gelandet.

Nach einigen Telefongesprächen, E-Mails und dem persönlichen Gespräch mit Frau Grevenstein hier bei uns Zuhause wurden wir dann als für geeignet befunden und mussten uns nur noch in Geduld üben, bis denn der ausgesuchte Hund hier in Deutschland eintreffen würde.

Am 27.02.2005 war es dann soweit. Unser erster Pflegehund Lion zog bei uns ein.

 

Lion kam vom Projekt „Sarah“ in Portugal.

Hatten mich vorher doch manches Mal  Zweifel geplagt, ob ich mit dem Hund zu-recht kommen würde, so angenehm überrascht war ich dann, wie schnell sich alles einlebte. Lion hatte mit seinen zehn

Monaten natürlich noch jede Menge Flausen im Kopf, ließ sich jedoch gut lenken, denn er wollte gefallen und alles richtig machen. Mit unserer Bardinomixhündin Laica hat er sich sofort super gut verstanden und auch unserem Kater drückte der gerne mal die Nase ins Fell.

Lion wird von Claudia Grevenstein und Sarah gebracht

 

Mit Lion wurde es lebhaft im Haus. Wenn ich manchmal nach Hause kam und Lion hatte umdekoriert, musste ich doch erst mal tief Luft holen. Aber im Nachhinein kann man sagen, es sah oft wüster aus als es war; ein paar zerfledderte Papiertaschentücher, ein Kopfkissen vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer gebracht, ein paar Schuhe zum Lüften auf die Wiese getragen, einen Kauknochen in der Topfpflanze vergraben (das geht), in Zusammenarbeit mit Laica das Loch in der Hundecouch vergrößert und die Füllung verteilt (sieht aus wie große Schneebälle) usw. usf. Anfangs zierten auch Abdrücke von Lions Hundenase unsere Fensterscheiben, da er mir immer nachsehen musste, wenn ich wegfuhr.

 

Was mich an Lion besonders faszinierte war seine Schnelligkeit.

Für einen Podencomix ist das nichts Ungewöhnliches, aber ich hatte vorher noch keinen kennen-gelernt.

Auch sein Sozialverhalten anderen Hunden gegenüber war vorbildlich.

Ich wurde auch öfter gefragt, ob wir Lion wirklich wieder abgeben, er sei doch so ein toller Hund.

   

Und dann Mitte Mai wurde es ernst, es hatten sich Interessenten gemeldet.

Ein tierliebes Ehepaar, die Frau nicht berufstätig und gerne in der Natur unterwegs, hatten sich, nachdem sich ihr Katzenbestand von drei auf nunmehr einen Kater reduziert hatte, zu einem Hund entschlossen. Nach dem ersten kennen lernen

hatte ich ein gutes Gefühl, dass Lion es bei den Beiden gut haben würde.

Als sie am nächsten Tag kamen, um ihn abzuholen ging er auch freudig mit. Mir fiel  der Abschied zwar furchtbar schwer, doch für Lion freute ich mich.

Im neuen Zuhause lief auch alles sehr gut, Lion hatte schnell viele Hundefreunde gefunden, sein Frauchen bekochte und verwöhnte ihn – nur mit dem Kater wollte es nicht so richtig klappen - was allerdings nicht Lions Schuld war - er hat Lion angefaucht, wenn der nur ins Zimmer kam. Nachher hat er sich nur noch unter dem Bett verkrochen und ist extrem unsauber geworden. Da er mit seinen zehn Jahren immer im Haus gelebt hat und die Familie in der Stadt wohnt, konnten sie aus ihm auch keinen Freigänger machen und so haben sie sich schweren Herzens dazu entschlossen Lion wieder abzugeben.

 

Im Urlaub mit Lion und Leica in der Provence

Wir haben Lion wieder bei uns aufgenommen und drei Wochen später ist er dann zu einem netten Ehepaar, dessen Hündin im Frühjahr über die Regenbogenbrücke gegangen ist, nach Pulheim gezogen. Dort ist man auch vollends begeistert von ihm.

Vor allem sein Frauchen wird von Lion heiß geliebt und auch beschützt.

   

Wir haben gemerkt, dass unserer Laica ein zweiter Hund sehr gut getan hat; sie war viel aktiver und hat Lion auch anfangs sehr vermisst.

So freuten wir uns, als Frau Grevenstein mir Ende Mai mitteilte, dass Sarah eine schwarze Schäferhundmixhündin namens Wendy aufgenommen hat, die seit zwei Wochen herrenlos herumirrte und ob ich diese in Pflege nehmen wollte. Natürlich wollten wir. Jetzt hieß es erst mal wieder warten. Sarah wollte die Hunde selbst ausfahren. Aber der Termin wurde immer wieder verschoben, mal war eine Pflegestelle in Urlaub, dann sagte eine ab, dann kam bei Sarah was dazwischen…

Zwischenzeitlich waren die Testergebnisse von Torsten Naucke eingetroffen, wobei festgestellt wurde, dass Wendy sowohl Ehrlichiose als auch Babesiose positiv ist.

Ich wurde über die Art der Behandlung informiert, mit der bereits in Portugal begonnen wurde, und wir haben uns dafür entschieden Wendy trotzdem zu nehmen.

 

Am 27. August 2005 war es dann endlich soweit, wir konnten Wendy bei Familie Grevenstein abholen. Sarah war in der Nacht angekommen und die drei anderen Hunde und Katzen waren schon abgeholt worden, nur Wendy und Mel waren noch da. Zuerst musste ich raten, welche von den Hunden denn Wendy war, die vier Hunde von Familie Grevenstein sind auch alle schwarz.

Sarah mit Mel

 

Gar nicht so einfach, aber ich lag richtig, Wendys Erkennungsmerkmal, ein Steh- und ein Knickohr haben geholfen. Sie kam auch direkt zu uns, ließ sich bereitwillig kraulen, hatte gepflegtes, glänzendes Fell und machte einen ausgeglichenen Eindruck. Das Gleiche traf auch auf Mel zu, die jedoch mit ihren knapp sechs Monaten noch wesentlich temperamentvoller war, aber absolut liebenswert.

Nachdem alle Informationen ausgetauscht und die Formalitäten erledigt waren, sind wir mit Wendy nach Hause gefahren. Wir waren natürlich gespannt, wie sie sich mit Laica vertragen würde. Wir haben die beiden auf neutralem Terrain zusammengeführt und sie verstanden sich auch gleich.

 
   

Wendy gewöhnte sich schnell ein und passte sich unserem Tagesablauf problemlos an. Sie bleibt alleine zu Hause, läuft gut an der Leine und lässt sich auch ohne Leine gut abrufen. Ein paar Eigenarten hatte sie natürlich auch. So ging sie anfangs keine Treppe. Es hat zwei Wochen gedauert, bis sie die Treppe runter gelaufen ist. Außerdem ist sie sehr verfressen und scheut auch nicht davor zurück, sich den ein oder anderen Happen von Tisch oder Anrichte zu stibitzen. Anfangs zickte und knurrte sie Laica an, wenn sie z. B. neben dem Kühlschrank lag und meinte Nahrungsressourcen verteidigen zu müssen. Wir haben sie dann immer zurückgerufen; dieses Verhalten hat sie heute ganz abgelegt.

     

Da Wendy sich so gut eingelebt hat und wir mittlerweile einen Zweithund wollten, haben wir uns ziemlich schnell dazu entschlossen sie zu behalten.

Meine Erfahrungen, die ich als Pflegestelle gesammelt habe sind durchaus positiv (von den langen Wartezeiten einmal abgesehen *g*).

 

Das Projekt „Sarah“ ist sehr transparent. Wir haben Sarah persönlich kennen gelernt und sie hat über ihre Arbeitsweise in Portugal berichtet, sie war bei uns Zuhause und weiß wo ihre Schützlinge in Pflege hingehen und wenn sie hier in Deutschland ist, besucht sie auch nach Möglichkeit die vermittelten Hunde, um sich selbst davon zu überzeugen, dass es den Tieren gut geht. Sie und ihre Familie setzen sich mit so viel Engagement ein, um für die Tiere hier in Deutschland ein neues Zuhause zu finden, in Portugal ist dies sehr schwierig, dass ich froh darüber bin, hierbei als Pflegestelle mithelfen zu können.

 

 
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