JAMIE - oder "wie Hund sich einlebt"...

mit freundlicher Genehmigung von Familie Fassbender

 

 

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Liebe Pflegefamilie,

nun bin ich schon ein Jahr hier – also höchste Zeit für meinen Erfahrungsbericht:

Zu Anfang war es nicht so einfach mit den Fassbenders; die hatten ja keine Ahnung von spanischen Galgo-Mallinois Ladies im besten Alter – ich bin schliesslich kein gewöhnlicher Hund! Naja ein XXL-Hundekörbchen mit warmen Decken hatten sie organisiert und Näpfe – leider nicht XXL.

Immerhin muss ich meine beiden Menschen nicht mehr mit anderen vier-pfotigen Störenfrieden teilen. Auch die Couch im Wohnzimmer war schnell von mir okkupiert und das Sofa im Gästezimmer – besser gesagt das gesamte Gästezimmer. Von dort im 1. Stock habe ich einen wunderbaren Überblick über die Geschehnisse in der Nachbarschaft und kann unser Territorium lautstark verteidigen.

Meine anfängliche Schüchternheit habe ich längst überwunden; da könnt Ihr den Postboten und den bofrost-Fahrer fragen!

Natürlich war es auch sehr wichtig, beizeiten die familiäre Gleichberechtigung zu korrigieren. Aufgrund meines unwiderstehlichen Charmes konnte ich IHN schnell auf meine Seite ziehen und nun machen wir beide die Plätze 1 und 2 der Rangordnung unter uns aus.

 

Mein durchschnittlicher Tag sieht so aus:

Kurz nach 5 Gassi gehen mit Herrchen. Nachdem ich anfangs einmal einen etwas ausgedehnten Jagdausflug unternommen hatte, ist Ableinen in der Dämmerung Fehlanzeige. Hierzu muss man wissen, dass meine schönen schwarzen Samtohren im wesentlichen der Dekoration dienen und das ständige Wiederholen meines Namens in zunehmender Lautstärke mich nicht unbedingt von meinen eigenen Vorhaben abbringt.

Ich muss eben „Zeitunglesen“, auch `mal eigene Artikel verfassen und so manche Hinterlassenschaft eignet sich ausgezeichnet als Nahrungsergänzung.

Aber zurück zum Tagesablauf: vormittags bin ich auf mich selbst gestellt, d.h. Schlummern und natürlich Bewachen von Haus und Garten – ein aufreibender Job.

Mittags kommt Nr. 3 nach Hause, dann mache ich mit ihr einen Spaziergang. Es bringt ihren Kreislauf in Schwung, wenn ich zuweilen Radfahrer und rot-gekleidete Jogger springlebendig begrüße oder manchen gewöhnlichen Hunden – bevorzugt Zicken – schon `mal vorsorglich klar mache, wer der Chef ist.

Der Nachmittag ist ganz meiner persönlichen Wellness gewidmet: schlafen, schmusen, spielen, Passanten verbellen.

Der größte Moment für mich ist, wenn Herrchen nach Hause kommt. Wir drehen noch `ne Runde und dann gibt’s Fressen, das sehr liebevoll und langwierig zubereitet wird. Leider ist nach dem ersten Gang immer schon Schluss.

Ein überdurchschnittlicher Tag zeichnet sich übrigens durch zusätzliche Gaben von Leberwurst aus. Es hat ziemlich lange gedauert, bis meine Leute auf diese Art des Zeigens von Zuneigung gekommen sind. Am Anfang wollten sie nämlich alles ganz vorbildlich machen – wie junge Eltern. Bereits als ich ins Haus kam, war eine umfangreiche Bibliothek an Hundebüchern vorhanden, die ständig konsultiert wurde – ob ich Blähungen hatte, Haare verlor oder mich vermeintlich so verhielt, als fehlte mir irgendwas… das war meistens die Leberwurst.

Es gäbe noch manche Episode zu erzählen, aber die spare ich auf für meine Biographie.

 

Alles in allem können Fassbenders sich glücklich schätzen, mich zu haben und ich bin froh, dass Ihr mir ermöglicht habt, so ein schönes Zuhause zu finden. Danke schön.

Eure Jamie

 
 
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