... im August 1998 saß ich gemütlich bei Tee und Keksen vor dem
Fernseher und schaute "Herrchen gesucht" (die HR-Version von "Tiere
suchen ein zu Hause"). Als die Tiervermittlungssendung begann, ahnte ich
nicht, dass ich bald (sogar sehr BALD!) meine Kekse mit einem der
Hauptdarsteller der Sendung teilen würde... Ich schaute die Sendung
nämlich (eigentlich!) "nur so" an, und suchte KEINEN Hund...
Nach Ende der Sendung hatte sich die "Sache" entschieden... zu "seinen"
Gunsten! Ich hatte keinen Hund gesucht, aber ER hatte MICH GEFUNDEN...
wie das Leben manchmal so spielt... mit seinen grooossen runden Augen
und einem unendlich lieben Gesichtchen...
Es war LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK (die sich auch bewahrheitete). Das
alte Männlein drängte sich in mein Herz!!! Ganz tough gab er sich vor
der Kamera - als ob er ahnte, was für ihn von seinem großen Auftritt als
"Fernsehstar" abhing, die vielleicht seine letzte Chance war...- aber
ich spürte, wie aufgeregt er gewesen sein musste und das rührte mich
sehr. Mein "Günnibärchen"...
Er hatte einen anderen Namen gehabt, aber mit seinem "neuen Leben"
sollte er auch eine neue Identität bekommen, ALLES sollte besser und
schöner werden für den wunderbaren freundlichen rührenden alten Hund.
Günni wirkte, wohl auch aufgrund seines Alters und seines ruhigen Wesens
(er war ein ernster, besonnener Hund) äußerst SOUVERÄN ;-)
Wenn er ein Mensch gewesen wäre, hätte er wohl auf gute Garderobe wert
gelegt, und bevorzugt schwarze Anzüge mit Einstecktuch getragen und
stets die Nettiquette bewahrt. Deshalb standen für mein Bärli die Namen
"Theodor" und "Graf Victor" zu Diskussion... naja, nannte ihn dann doch
Günni.
Mein Günnibär war ein schwarz-weißer, ein wenig zur Fülligkeit neigender
Jagdhund (Mischling?) (hat aber nur Leckerlis gejagt, die dafür mit
ganzer Hingabe) mit einer wunderschönen Zeichnung im kurzen
Stockhaar-Fell. Auf der rechten Seite seines Hinterteiles hatte die
Natur "meinen Namen" in sein Fell "eingraviert", er trug ein weißes
Caro-Zeichen im schwarzen Fell! (war also von Anfang an klar, dass er ZU
MIR GEHÖRT ;-) ).Für IHN kam das allerdings ein bisschen spät! Denn
Günni war offiziell 8 Jahre alt, als ich ihn kennen gelernt und
adoptiert habe (in Wirklichkeit vermutlich aber gut 3-4 Jahre älter) und
er war ohne "eigenes Verschulden" bereits zum dritten Male im
Darmstädter Tierheim gelandet... Niemals hatte er sich etwas zu Schulden
kommen lassen!!! Er war einfach NUR ein guter, braver, sehr lieber Hund.
Er war folgsam, konnte sich gut benehmen, man konnte ihn wirklich
überall hin mitnehmen, auch ohne Leine, in jedes Restaurant, er war
verträglich mit allem und jedem, mit jedem anderen Hund, ob Hündin oder
Rüde, mit Katzen, Kaninchen, Chinchillas, freundlich zu jedem Menschen,
zu jedem Kind. Er war EINE SEELE VON HUND wie ich mir nicht hätte
träumen lassen, jemals wieder einen zu finden, nachdem er im Jahr 2002
über die Regenbogenbrücke gegangen ist... (bis ich die kleine Hündin
"Vida" kennen lernte!).
Günni landete zum ersten Mal im Tierheim, als sein Frauchen so schwer
erkrankte, dass sie über längere Zeit ins Krankenhaus musste. Danach
wurde mein Hund zwei Mal (angeblich) Scheidungs-Opfer... spätestens bei
seinem dritten Halter war mir aber klar, dass er den Hund zurück ins
Tierheim gebracht hatte, weil er nicht die Verantwortung übernehmen
wollte für einen Hund, der wie jedes Lebewesen, mit den Jahren auch
ÄLTER wird und vielleicht auch das ein oder andere Zipperlein bekommt...
So wurde dieser TRAUMHUND zum "Wanderpokal", und landete schließlich im
Alter im Tierheim. Wie viele...
Vielen Menschen, die einen Hund suchten -einen Hund WIE IHN! - war er
aber einfach nur "zu alt"... :-(
Der alte Günnibär wurde meine ganz große Liebe. Und ich seine. Am 8.8.98
holte ich ihn aus dem
Darmstädter
Tierheim...
Eigentlich war uns allen klar, dass ich ihn mitnehmen würde... mir...
der Kirstin Höfer (Tierheimleiterin)... nur meinem neuen vierpfötigen
Mitbewohner noch nicht... der marschierte nämlich trotz liebevoller
Ansprache schnurstracks geradeaus an mir vorbei, ohne mich eines Blickes
würdigen... zielstrebig in die verlassenen Zwinger seiner Kumpels, die
im Freilauf waren, und klaute dort sämtliche Leckerlis... Als wir das
Tierheimgelände verließen, war ich als Person auch noch uninteressant
für ihn und wohl nur einer der vielen Gassigänger... von denen er schon
viele gesehen hatten, und die ihn immer wieder ZURÜCK brachten in seinen
Zwinger.
... erst als wir zum Auto gingen und ich ihm die Tür geöffnet hatte,
VERSTAND das Kerlchen wohl - und er saß so schnell im Auto dass ich kaum
gucken konnte!!! Ab diesem Augenblick nahm mich der alte Herr wahr!
... UND ES IST NICHT ÜBERTRIEBEN, WENN ICH SAGE, DASS VON DIESER STUNDE
AN MIT DIESEM ALTEN HUND, DEN SIE LIEBEVOLL "LADENHÜTER" GENANNT HATTEN,
DIE VIER SCHÖNSTEN JAHRE MEINES LEBENS BEGANNEN!!!
Und Traumhund Günni ist "schuld", dass ich mein Herz an die ALTEN
verloren habe, an die GRAUEN SCHNAUZEN...
Schon zu seinen Lebzeiten habe ich mir geschworen, sollte altes Männlein
eines Tages mal nicht mehr sein, kommt für mich NUR noch einmal ein
Hunde-Oldie in Frage, sollte ein "Neuer" bei mir einziehen...
Günni war ein kluger, wissender, erfahrener Hund... sozusagen ein
"fertiger" Hund, mit allem verträglich, stubenrein, freundlich,
unproblematisch. Günni war von seinem Wesen her ein Hund, WESHALB DIE
LEUTE SICH WELPEN BEIM HUNDEVERMEHRER KAUFEN!!! Weil sie hoffen, den
Hund eines Tages so erziehen zu können, damit er ein "Günni" wird... so
wie er war in seiner Reife... und wie es viele "Günnis" gibt, die in
Tierheimen warten, teilweise dort alt geworden sind, UND DIE SICH NACH
EINEM LIEBEN ZU HAUSE SEHNEN IN DEM AUCH SIE NOCH WERT GESCHÄTZT UND
GELIEBT WERDEN... die GRAUEN SCHNAUZEN!
Dies ist ein Plädoyer für die "Rentner", vor allem auch für die Betagten
die in überfüllten Tierheimen ihren Lebensabend verbringen müssen, ohne
einen "eigenen Menschen", dem sie ihre ganze Hundeliebe schenken
können... besonders die Alten, die sooo viel erlebt haben in ihrem Leben
und so viel ausgestanden, haben oft sooo ein GROSSES HERZ!!!
Wie oft sagen die Menschen, mit dem guten Vorsatz einen Hund zu
adoptieren, "der ist zu alt", wenn sie einen Hund ablehnen, ohne über
diesen unsinnigen, unhaltbaren Ausspruch nachzudenken...
Auch ein JUNGER HUND ist KEIN GARANT dafür, dass er eines Tages so wird
wie man ihn sich wünscht. Er kann dennoch ganz anders werden, wenn er
erwachsen ist, oder Unarten zeigt, die Herrchen oder Frauchen so
eigentlich nicht haben wollte... Selbst ein Welpe vom Züchter ist kein
Garant für irgendwas!!! (nicht mal für ein so genanntes "rassetypisches"
Wesen!!!-... man siehe z.B. die Goldie-/Labbi-Schwemme, bei der etliche
Würfe vor lauter Überzüchtung, weil jeder so einen "niedlichen Welpen"
haben wollte, am Ende vollkommen aus der Art geschlagen sind!).
Bei einem "Oldie" weiß man, dass er seinen Wesenskern nicht mehr ändern
wird.
Wenn man "seinen Rentner" so kennen gelernt hat wie er ist, wird er sich
nicht mehr ändern und keine vollkommen anderen Verhaltensmuster mehr
aufweisen! Er wird der Hund sein und bleiben, den man GEWOLLT hat!
Hingegen man bei jungen Hunden und Welpen durchaus davon ausgehen muss,
dass sie sich durch ihre Entwicklung NATÜRLICH noch verändern und somit
kleine "Überraschungspakete" sind.
Unter anderem deshalb halte ich es für vollkommen paradox zu behaupten,
Welpen oder Junghunde seien "Anfänger-Hunde" schlechthin! Meiner Meinung
nach sind die wahren Anfänger-Hunde die reifen, die fertig entwickelten,
die Oldies, von denen auch der Mensch noch lernen kann, und Welpen oder
"Grünschnäbel" gehören nicht absolute Hunde-Anfänger-Hände!!!
Traurigerweise sind hunderte von Hunden in den überfüllten Tierheimen
OPFER dieses Irrglaubens... der Hund wurde nicht so, wie der
-unerfahrene- Halter sich dies vorgestellt hatte, der vielleicht Fehler
in der Erziehung gemacht hat (WELPEN können nämlich noch keine "Fehler"
machen!!!), also musste er "WEG"...
... jeder Welpe wird eines Tages auch ein ALTER HUND sein!!!
P. S.: Günnibärchens Todestag jährt sich am 27.5.2004 zum
zweiten Male...